"Ich muss genau hinschauen, was mir gut tut" - 100 Jahre Zukunft

Helga H., 61 Jahre, Niederhorbach

1997 ging es mir plötzlich schlecht, ich schleppte mich förmlich durch den Alltag. Die Hausärztin tippte auf frühe Wechseljahre, aber ich war erst 41. Schmerzen unter den Rippen und sogar ein schweres Darmbluten wurden nicht ernst genommen, dabei war schon meine Großmutter war an Darmkrebs gestorben.

Im Februar 1998 endlich die Untersuchung und die Diagnose: Darmkrebs mit Metastasen in der Leber. Eine Woche später wurden sieben Lymphknoten entfernt und nach sechs Wochen eine apfelsinengroße Metastase aus der Leber. Die geplanten sieben Zyklen Chemotherapie musste ich nach 1,5 Zyklen wegen einer „Knochenmarksdepression“ (Fehlfunktion der Blutbildung im Knochenmark) abbrechen.

Damals sagte ein Arzt zu meinem Mann, er solle eine Pflegestufe beantragen, weil ich als schwerer Pflegefall nach Hause kommen und nicht mehr lange zu leben habe. Doch ich wollte meinen Mann und meine Kinder nicht allein lassen! Ich wollte aktiv werden und dazu musste ich genau hinschauen, was mir gut tut. Ein Arzt sagte, ich solle einfach weiter leben wie bisher, aber das war Unsinn, denn genau das hatte mich doch krank gemacht! Ich holte mir Rat von einem Heilpraktiker, las Bücher über alternative Heilmethoden, lernte Affirmationen – die Kraft der positiven Gedanken – und fing wieder an zu malen.

Begleitend zur Standardmedizin suchte ich von Anfang an komplementärmedizinische Unterstützung und erhielt in einer Klinik Hyperthermie-Behandlungen und eine Misteltherapie, die in verschiedenen Phasen der Erkrankung immer eine wesentliche Begleittherapie war. Denn sie unterstützt das durch Operationen und Chemotherapie geschwächte Immunsystem und sorgt für eine Verbesserung der Lebensqualität, indem Nebenwirkungen wie die extreme Müdigkeit gemildert werden. So erhielt ich merklich meine Energie zurück. In dieser Zeit lernte ich auch viel über meinen Körper, über gesunde Ernährung, die heilende Kraft der Bewegung und Entspannungstechniken.

Doch 2003 wurde ein drei Zentimeter großes Rezidiv in der Lunge festgestellt und der rechte Unterlappen entfernt. Seit 2013 sind auch Rezidive in der Leber zurück. Wenn sie wachsen, werde ich mich wieder operieren lassen, aber im Moment ist alles gut, wie es ist. Ich setzte mir immer wieder kleine Ziele, zum Beispiel: Morgen mache ich einen Spaziergang.