"Es gibt viel, was man selbst tun kann" - 100 Jahre Zukunft

Evelyn S., 59 Jahre, Oranienburg

Der Befund kam an meinem 37. Geburtstag: Gallertkarzinom! Die Ärzte gaben mir sechs Monate. Das war vor 22 Jahren.

Vielleicht verdanke ich mein Leben einer jungen Ärztin, die sich noch im Praktikum befand. Als einzige der einbezogenen Mediziner fiel ihr beim Ergebnis meiner Bauchspiegelung etwas auf. Und tatsächlich! Die Diagnose lautete: Pseudomyxoma peritonei (Gallertkarzinom), ein sehr seltener Krebs auf dem Bauchfell. Ich war wie betäubt, traumatisiert, hatte Angst. Was wird aus meinen Kindern? Das soll alles gewesen sein? Ich konnte es nicht fassen. Man versuchte, mein Leben durch eine Totaloperation, der Entfernung des Appendix und einer lokalen Chemotherapie zu verlängern.

Doch nach anderthalb Jahren war der Krebs noch da. Die Ärzte sahen keine Chance mehr – da wollte ich selber aktiv werden. Ich informierte mich über Möglichkeiten der biologischen Krebsabwehr, suchte entsprechende Ärzte auf. Meine Krankenkasse zahlte die Behandlung in einer Klinik mit ganzheitlichem Konzept. Das bescherte mir fünf gute Jahre, in denen ich voll berufstätig war. Doch dann strich die Kasse diese Leistungen und ich hatte den Verdacht, dass ich nur selbst meine Therapie „stricken“ kann, auch wenn ich dafür viel Geld anfassen muss.

Ich fand einen Platz in Kliniken, wo ich nach ganzheitlichen Gesichtspunkten behandelt wurde und unter anderem eine Misteltherapie erhielt. Das waren ganz entscheidende Maßnahmen zur Krankheitsbewältigung. Seitdem fühle ich mich wesentlich besser, bin belastbarer und der Tumormarker ist stabil. Zwar hinterließen die vielen Operationen irreparable körperliche Schäden, doch ich bin zufrieden und dankbar.

Ich habe gelernt, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss – die komplementären Möglichkeiten, die mir geholfen haben, wie Misteltherapie, Hypterthermie und Psychoonkologie musste ich ganz allein finden, sonst ginge es mir heute zumindest deutlich schlechter. Viel zu oft wird eine Behandlung „verkauft“, die gar nicht passt, und leider mangelt es noch immer an der notwendigen Kommunikation zwischen klassischen und komplementär praktizierenden Disziplinen.